Casting

“90% eines Films ist Casting” (Robert Altmann, Regisseur)

Um mich kurz vorzustellen; Mein Name ist Birgit Abraham, und ich bin seit 12 Jahren Schauspielagentin für Kinder & Jugendliche bei der Agentur TASK in Hamburg.

Ich möchte Euch ein wenig über meine Arbeit erzählen. Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf, der jeden Tag neue spannende Momente mit sich bringt und nie langweilig wird. In den vergangenen Jahren haben sich bei mir viele Kinder und Jugendliche vorgestellt. Einige davon sind heute erfolgreiche Filmschauspieler/-innen, manche haben sich nach dem Schulabschluss auch für eine andere Laufbahn entschieden und die Schauspielerei sozusagen wieder “an den Nagel gehängt”.

Doch zunächst möchte ich etwas näher auf den Begriff “Casting” eingehen. Denn ein Casting steht am Anfang jeder Schauspielkarriere, und mag sie auch noch so jung beginnen.

Wer den Begriff “Casting” im Internet bei Wikipedia eingibt, bekommt eine richtige und eine falsche Auskunft. Die Definition des Begriffs “Casting” wird korrekterweise als “Prozess zur Rollenauswahl von z.B. Schauspielern” beschrieben. Soviel ist richtig. Doch leider wird auch bei Wikipedia der weit verbreitete Irrglaube veröffentlicht, dass eine Schauspieleragentur gleichzeitig auch eine Castingagentur ist. Und das stimmt so nicht ganz.

Ich gebe euch ein Beispiel:

Vielleicht kennt Ihr die Kindersendung “Die Pfefferkörner”. Mittlerweile wird schon die elfte Staffel der erfolgreichen Fernsehserie produziert, und alle 2-3 Jahre werden neue Hauptdarsteller gesucht. Um die richtigen Kinderschauspieler zu finden, wendet sich die Filmproduktion an eine Castingagentur und erteilt dem Casting-Director den Auftrag, mit Hilfe einer Rollenbeschreibung geeignete Nachwuchsdarsteller zu finden. Die Castingagentur wiederum begibt sich auf die Suche und fragt hierzu verschiedene Schauspielagenturen an, ob sie in ihrer Kartei passende Kinder haben.

Jetzt kommen wir ins Spiel: Wenn wir zuvor tolle Nachwuchstalente finden und unter Vertrag nehmen konnten, haben wir natürlich große Hoffnungen, erfolgreich jemanden besetzen zu können. Im Fall von den “Pfefferkörnern” bekommen sogar Anfänger ohne Dreherfahrung eine Chance, wenn sie äußerlich gut auf die Rolle passen. Stellen sie dann beim Casting ihr Talent unter Beweis, können sie sich von Castingrunde zu Castingrunde durchsetzen. Bis schließlich im Finale die neuen “Pfefferkörner” ausgewählt werden.

Es wird also deutlich, dass eine Castingagentur im Grunde eine “Besetzungs-Agentur” ist und eine Schauspieleragentur mehr für das Finden von Talenten zuständig ist.

Und damit sind wir bei unserer täglichen Arbeit: Bei der Agentur TASK bekommen wir jede Woche zahlreiche Bewerbungen aus Deutschland und sogar aus einigen Nachbarländern! Aus diesen Zuschriften mit Foto wählen wir die viel versprechensten aus und laden sie zu einem Casting zu uns in die Agentur ein. Ein seriöses Casting für eine Schauspielagentur und auch später für eine Filmrolle ist grundsätzlich kostenlos. Darauf solltet ihr achten, wenn ihr euch bei einer Agentur bewerbt.

Wer Schauspielunterricht nimmt, hat bei unserer Agentur einen Vorteil. Den ich bin der Überzeugung, dass man jedes Hobby mit ein bisschen Training besser beherrscht als ohne.  Das gilt für Sport genau so wie für Musikinstrumente. Jeder kann nachvollziehen, dass man häufig üben sollte, bevor man schließlich für eine Mannschaft oder ein Orchester ausgewählt wird. Genau so ist das mit dem Schauspielen. Wer schon Erfahrung hat, also längere Zeit Unterricht nimmt oder vielleicht sogar schon in einer Filmproduktion mitgespielt hat, wird oftmals eher zum Casting eingeladen als ungeübte Anfänger.

In unserer Schauspielschule Film Characters bringen wir Kindern & Jugendlichen das Spielen vor der Kamera bei. Wir nennen das Camera-Acting. Auch die Castingsituation wird in unseren Kursen geübt, und ganz nebenbei bildet sich dabei auch die eigene Persönlichkeit heraus und man gewinnt Selbstvertrauen.

Ob mit oder ohne Unterricht – wer in der Kartei einer Schauspielagentur ist, hat die Chance eine Filmrolle zu ergattern.

Ein Casting muss man sich so vorstellen:

Mehrere Bewerber werden eingeladen, um ihr Talent unter Beweis zu stellen. In der Regel bekommt man vorab eine Castingszene bzw. einen Text zugeschickt, den man vorbereiten soll. Dabei kommt es vor allem darauf an, nicht nur den Text der eigenen Rolle sondern auch den des Spielpartners zu beherrschen. Sinnvoll ist es, sich die Worte so lange einzuprägen, bis man sie praktisch im Schlaf aufsagen kann. Erst dann geht es an die Feinarbeit.

Stell dir vor, welche Gefühle deine Figur während der Szene durchlebt. Was genau passiert gerade? Worum geht es? Was geschieht um dich herum? Ist es eine ruhige oder eine lebhafte Umgebung? Auf diese Weise kannst du langsam in die Situation hineinschlüpfen.

Bleib aber – auch wenn du die Szene geübt hast – immer noch offen für Regieanweisungen vom Casting-Director. Vielleicht möchte er oder sie eine andere Emotion von dir sehen? Möglicherweise sollt ihr euch beim Casting noch bestimmte Wege einprägen, die zu laufen sind oder euer Spielpartner kann seinen Text nicht gut. Mit all solchen Dingen müsst ihr rechnen. Das erfordert viel Übung.

Neben der Spielszene gibt es auch immer eine persönliche Vorstellung. Das ist der Teil beim Casting, bei dem du dich selbst präsentieren sollst. Überleg dir vorab, was den Casting-Director oder Regiesseur interessieren könnte. Und welche Fakten möchte er von dir wissen? Sicher den Namen, das Alter und die Stadt in der du lebst. Ist das ein kleines Dorf, dann nenne dazu die nächst größere Stadt. Dann vielleicht noch, die wievielte Klasse du besuchst und ob du schon Dreherfahrung hast. Wenn du noch nie einen professionellen Film gedreht hast, kannst du auch vom Schauspielunterricht oder der Theater-AG erzählen, die du besuchst. Wichtig ist, dass du locker bleibst und ganz du selbst. Verstellen bringt oft nichts, denn das merken die sofort.

Das waren praktisch die Goldenen Casting-Regeln. Wenn du dann das große Los gezogen hast, beginnt eine spannende Zeit am Filmset für dich. Es gab in all den Jahren in der Agentur TASK noch nicht einen Einzigen, dem es beim Drehen nicht gefallen hat. Eigentlich sind alle immer ganz begeistert.

Und das ist im Grunde auch das Schönste an meinem Job: Dass ich Kindern und Jugendlichen einen Traum erfüllen kann!

Agentur TASK